Ich habe heute mal meine Boodmarks aufgeräumt und meinen Feedreader durchforstet. Dabei habe ich ein paar nette Kurzfilmproduktionen gefunden. Zunächst
Typografische Musikvideos sind die ästhetische Randgruppe aller kurzen Filmproduktionen. Vermeintlich einfach ist es dann doch schwierig in einem ästhetisch-narrativen Medium die Message semantisch rüberzubringen. Die Mutter aller Typo-Videos ist ja Bob Dylans “Subterranean Homesick Blues”. Seitdem hat sich einiges getan. Auf yuxt.com hat man sich die Mühe gemacht, die besten der besten “Typographischen Musikvideos” zusammenzutragen. Es lohnt sich als mal ein Blick. Wie komme ich darauf… ach ja: Jürgen Siebert von Fontblog hat heute seinen aktuellen Liebling gepostet. Und zurecht: Norbert Palm mit Easy ist ein wundervolles Video. Aber seht selbst:
Dan Brown, ja nicht der Autor von den Konspirationschinken, ist vermutlich verantwortlich für den Vorspann von Dr. House, M.D. (aber auch für den Trailer der 2010er SIFF) Er dreht aber nicht nur solch kleinen netten Kleinkram, sondern veröffentlichte vor wenigen Tagen seinen ersten Kurzfilm. “Your Lucky Day” ist wunderbar fotografiert und lässt sich mit 15 Minuten Länge durchaus Zeit einen Figurenkontext zu entwickeln, der bei Kurzfilmen dieser Machtart durchaus oftmals zu kurz kommt. Trotzdem sind die Dialoge Müll, was soll das Pron-Thema da? Und überhaupt… nette blutige Gewaltdarstellung. Offenbar sind wir auch im kleinsten Kurzfilm dabei angekommen Gewalt “ästhetisch” zu inszenieren. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Brown gar nicht weiß, was er damit alles in der Hand hat. Es scheint einfach nur handwerklich gut umgesetzt zu werden (rote Welle, Patronenhülsen), ohne dafür aber ein Maß zu finden, der die Gewaltdarstellung sinnvoll in den Plot integriert. Die Darsteller können meiner Ansicht nach überzeugen, auch wenn mir der Polizist ein wenig zu blöd wegkommt. Am spannendsten ist für mich der Teenage-Gangster, der so zynisch von der Welt spricht, dass es einem irgendwie innerlich abstumpfen lässt. Vielleicht ein bisschen zu plakativ, aber gut.
Skurill, skurill möchte man meinen. Das norwegische Electro-Duo Röyskopp hat im Zuge der Veröffentlichung des neuen Studio-Machwerks »Senior« (das Mitte September erscheinen wird), einen Kurzfilm veröffentlicht. Unter dem Titel Adventures in Barbieland wird es ziemlich abgefahren. Keine Ahnung, was uns das, was wir da sehen sagen soll, aber als Promotion-Coup klappt es offenbar. Der Film macht in der Blogosphäre die Runde. Deshalb – und weil ich Röyskopp mag – auch hier:
Das Spiel beginnt von vorn. Die Planungen für die nächste Thüringer Bloglesung – die bereits vierte ihrer Art – haben begonnen. Mehr auf dem Orga-Blog #4tbl
Bilder (Uyuni – größter Salzsee der Welt) und Kameraführung und vor allem ein Plot, der einem den Atem stocken lässt. Unerwartet bis zum Schluss. Wahnsinn. Vielleicht ein wenig zu brutal in der Message, zu abstrus, aber doch irgendwie noch echt und authentisch, irgendwie. Also mein Tag ist versaut.
Der 14minütige Kurzfilm wurde gedreht von Miguel de Olaso, a.k.a. Macgregor (auf vimeo), der nach einer Selbstaussage auf einer einsamen Farm in Polen lebt und eigentlich als Werbefilmer arbeitet. Am Drehbuch schrieb auch der Hauptdarsteller Jack Daniel Stanley mit. Ich denke wir werden den Film eventuell noch auf einigen Festivals sehen.
Obwohl ich das Werk eigentlich so stehen lassen möchte, ohne weitere stets nur verfehlende Kommentare geben zu können, möchte ich noch auf ein bisschen Ausschuss aufmerksam machen, der es nicht in den Film geschafft hat.
Keine Ahnung, ob ein “internet film fest” gleichzeitig ein Kurzfilmfestival ist, scheint terminologisch ins Unklare zu führen. Fest steht, dass die webcuts.10 ihren Programmfokus auf Filme gelegt haben, die – so das Reglement – “für das Internet produziert worden sind oder hauptsächlich darin veröffentlicht wurden“. Ob diese nun gleichzeitig Kurzfilme sind, also beispielsweise den 23-Minuten-Rahmen der cellu l’art-Vorgaben nicht sprengen, sei dahin gestellt und spielt eigentlich keine Rolle.
Die Einreichungsreglementierungen vermuten somit in der weiten Welt Filme, die sich hauptsächlich über das Internet transportieren, heißt das somit notwendig, dass diese Filmchen “speziell” für das Internet produziert worden, wie die Kriterien suggerieren? Das macht mich nachdenklich, denn ich ging bisher stets davon aus, dass das Internet für Filmemacher stets nur als ein weiteres und offenbar einfacher zu nutzendes Distributions- und Präsentationsmedium fungiert (wobei ich nun großzügig Filme diverser Agenturen, die vermutlich wirklich nur zu PR-Zwecken für das Internet produziert worden, ausklammere). Doch offenbar sehen die Veranstalter der webcuts ein wenig mehr in dem Begriff des Internetfilms. Wobei die “Internet Film”-Beschreibung aus dem Jahre 2007, die sich dem Thema ein wenig deskriptiv nähert, keine neuen und anderen Erkenntnisse liefert und wenn man da Wort Internet rausstreicht, könnte sowas auch in jedem Imageheftchen eines konventionellen Kurzfilm-Festivals stehen:
“Avantgardistische Grafikexperimente in irisierendem Grün und Lila, Kurzfilme komplett mit Spannungsbogen, 3D-Animation und tragischen Helden oder eine kurzweilige Betrachtung über Musik, ein Elchgeweih und eine Fliege auf einer Vinylscheibe.
Internet Filme faszinieren durch ihre Lebendigkeit, sie zeigen aktuelle Trends in Webdesign und Filmkunst auf und sind von nichtkommerzieller Natur. Sie sind künstlerische Ausdrucksform einer digitalen Generation. Das Internet ist für die Macher der Filme zugleich Spielwiese, Arbeitsplatz und ein schrankenloser kreativer Raum, in dem sie ihre Kunstwerke erschaffen und publizieren.”
Wie dem auch sei. Scheinbar sind die Grenzen zwischen Kurzfilm und Internet Film fließend und es lässt sich nur schwerlich ausmachen, ob ein Internet Film wirklich ausschließlich zur Präsentation im Internet gedacht wurde.
Neben diesen terminologischen Klüngeleien, die vielleicht ausschließlich auf die Verwirrung des Autors zurückzuführen sind, soll hier nun kurz, die Ergebnisse der aktuellen webcuts.10 zusammengestellt werden. Es gab Filme in den Kategorien:
Web Dokumentation / Video Reports - also klassische Dokus
Machinima – Echtzeitanimation aus Gameengine
Infotainment – Motion-Infographics
Gemeinschaftsprojekte – Fokus auf kollaborativen Projekten
Webcuts Classic – Animationen
Berlin-Award - Fokus liegt auf Projekten aus Berlin und Brandenburg
Aus ca. 250 Einsendungen wurden von einer teils film-, teils web- und teils designaffinen Jury
Prof. Ursula Drees – Hochschule der Medien Stuttgart
Matthijs Wouter Knol – Programmleiter des Berlinale Talent Campus
Ludwig von Reiche- COO von mental images
Felix Schrader – Chefredakteur von CREATE OR DIE und verantwortlich für Programm und Konzept der webinale
Prof. Eku Wand – Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
Sven Assmann – Vorsitzender interface!berlin
Eckhard M. Jäger – Gründer der Webcuts
wurden nun die Siegerbeiträge ermittelt, die am 1. Juni im ewerk Berlin vorgeführt worden. And the Digital Webkatz trophy goes to: