// christoph

63. Berlinale – Von gefallenen Akrobaten und kletternden Kleinstädtern

2013-02-09 13.37.55

An manchen Tagen läuft einfach alles besser. Ein solcher Tag war der gestrige Samstag. Stand ich am Freitag noch über eine Stunde an, um letztlich zwei Tickets zu ergattern, so lautete die gestrige Ausbeute: fünf Karten in nur 20 Minuten. Vier davon gab’s am Schalter und die fünfte durfte ich bereits kurz zuvor in der Warteschlange entgegennehmen.

Einer jener Last-Minute-Verkäufer, wie es sie zur Berlinale zu gefühlten Tausenden gibt, bat mir eine Karte für den – ohnehin in meinem Visier befindlichen – georgischen Film „Chemi sabnis naketsi“ (A Fold in My Blanket) zur Spätvorstellung um 22:30. Klar, dass ich da nicht zweimal überlegen musste.

Und meine spontane Entscheidung erwies sich als goldrichtig (so, wie es eben an „Glückstagen“ ist). Das kleine Drama von Zaza Rusadze überzeugte durch einen fantastischen Cast und grandiose 35mm-Bilder, die unter anderem den Protagonisten Dimitrij beim Klettern in einer gewaltigen Felslandschaft zeigen. Der junge Mann arbeitet sonst in einem eintönigen Job im Justizgebäude seiner Kleinstadt, bei dem man ihn unter anderem beim Kopieren seines eigenen Gesichts beobachten kann. Der Richter ist sein Vater und ein Entkommen aus diesem Mikrokosmos scheint nur durch den aufbegehrenden Andrej, seinen Onkel Alexander und seine alzheimerkranke Tante möglich. Rusadze zeigt dabei, wie sich Dimitrij immer stärker in seinen eigenen Imaginationen verliert. Fast unmerklich wird aus dem Drama ein Mysterythriller von betörender Intensität.

Auch die französische Doku „Parade“ von Olivier Meyrou um den querschnittsgelähmten Hochseilakrobaten Fabrice Champion wusste insgesamt zu überzeugen. Der Filmemacher ist dabei auch wörtlich ganz nah dran an seinem Protagonisten und erzählt dessen beschwerliches neues Leben vorrangig in Nah- und Detailaufnahmen. Leider erfährt man in den gut 70 Minuten nur wenig über den Menschen Champion. Der Artist wird jedoch umso genauer ausgelotet.

Heute geht’s mit zwei vielversprechenden Filmen weiter. Egal, wie diese werden, ich scheine doch noch meinen Frieden mit der Berlinale 2013 zu machen…

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