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cellu l’art 2011 – Interview mit Sebastian Marka

Interview“ war gestern mit drei Auszeichnungen der Abräumer des cellu l’art 2011. Bei der feierlichen Preisverleihung war Regisseur Sebastian Marka (rechts) anwesend und nahm die Preise entgegen. Wir sprachen mit ihm im höchsten Kino Jenas über seinen Film, Vorbilder aus Hollywood und deutsche Festivals.



cellu l’art: Sebastian, du hast auf dem cellu l’art 2011 gleich drei Preise gewonnen. Wie fühlst du dich?

Sebastian Marka: Das ist der Wahnsinn und eine riesige Freude für mich! Für mich persönlich ist es auch etwas Besonderes, weil mein Film bisher in Deutschland weniger gut angekommen ist. Auf Festivals in Australien, Mexiko und Indien hat „Interview“ schon gewonnen, auf dem in New York war er nominiert. Aber in Deutschland haben es unpolitische Genre-Filme wie eben auch „Interview“ schwer, Preise zu bekommen. Das sagt man auch in Filmkreisen.

Dein Film hat mich sehr an „Sieben“ erinnert. Hast du Regie-Vorbilder wie zum Beispiel David Fincher?

Mein großes Vorbild ist Darren Aronofsky. Er ist ein sehr guter und auch reduzierter Geschichtenerzähler – egal in welcher Form. Ob Thriller, Drama oder Epos: Er hat sich, was Genres angeht, nicht festgelegt und war neuerdings sogar für die Comicverfilmung „The Wolverine“ im Gespräch. Dabei setzt er gestalterische oder visuelle Stilmittel nach Art der Geschichte und zu ihr passend ein.
Zu „Sieben“: Er war einer der ersten Thriller, die den Plot-Twist am Ende in dieser Form eingesetzt haben. Unser Drehbuchautor Michael Proehl spielt bewusst damit, die Hommage an „Sieben“ war also durchaus beabsichtigt.

Was originelle Stilmittel und eine breite Streuung an unterschiedlichen Filmformen angeht: Kannst du dir zum Beispiel vorstellen, mal einen Dokumentarfilm zu inszenieren?

Nein. Ich halte das für wahnsinnig schwierig, dauerhafte Objektivität zu wahren. Das reizt mich auch gar nicht, weil ich Spaß an der Fiktion habe. Ich habe Kamera studiert und auch einmal bei einer Dokumentation gemacht. Dabei habe ich aber gemerkt, dass ich sehr darauf achte, was ich von welchem Standpunkt aus wie filme.

Kanntest du das Kurzfilmfestival cellu l’art vorher schon? Wie hast du zum ersten Mal davon gehört?

Ja, es hat mir etwas gesagt, weil ich das Festival auch im Kalender der AG Kurzfilm gesehen habe. Allerdings habe ich aus irgendeinem Grund zuerst gedacht, dass es in Straßburg stattfindet und nicht in Jena. Doch mein Kameramann Willy Dettmeyer war ja bereits am Mittwoch vor Ort, hat mich aufgeklärt und mir trotz seiner kritischen Art ein gutes Feedback eures Filmfests gegeben. Er hat sich bei euch wohlgefühlt.

Wie hat es dir persönlich bisher auf dem cellu l’art gefallen?

Ich bin ja erst seit heute [Samstag, Anm. cellu l’art] hier, aber auch mir gefällt es sehr. Hier findet man nicht ein zu einem Großteil aus Filmschaffenden und Intellektuellen bestehendes Publikum, wie auf vielen anderen Festivals, sondern viele Studenten. Generell herrscht hier eine gute Stimmung, es ist auch mit der Technik gut organisiert. Der einzige Kritikpunkt: Ich sehe gern Film auf Film, also auf 35 mm. Eine Digitalprojektion kommt dagegen auch in Sachen Klangqualität nicht ganz an. Ansonsten bin ich aber sehr zufrieden und fühle mich auch sehr wohl hier.

Sebastian, vielen Dank für das Gespräch!


Aktuell wird „Interview“ neben den anderen Preisträgern von gestern Abend noch einmal wiederholt. Damit geht das cellu l’art 2011 zu Ende.

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