// Bettina

Filme und Meer – Das cellu l’art beim Off/Short

Ich liebe das Meer. Vielleicht weil ich nicht in der Nähe wohne und es noch etwas Magisches hat. Das Off/Short ist ein Filmfestival in Frankreich. In der Picardie in Cayeux -sur-Mer um genau zu sein. Das Einzige, was dieses Festival vom Meer trennt, ist ein Steinstrand. Es kann also gar nicht viel falsch machen, zumindest bei mir. Wer sich vom Gelände wegbewegt wird dieses Rauschen zwangsläufig hören, das der Welt etwas Ruhe zurückgibt.

Festivalzelte inmitten sonniger Natur

Die Atmosphäre ist einzigartig. Unmengen von großen Zelten wehen im starken Wind. Die Luft ist feucht und die Schreie der Möwen, sowie ihre Kacke sind überall. Auf einer Wiese stehen (Zirkus-)Zelte, (Klein-)Busse und Wohnmobile. Jeder kann hier seinen Film zeigen, Voraussetzung ist, dass er ihn selbst vorstellt. Er bekommt nur Strom und einen Platz. Entsprechend bunt ist auch die Mischung, von Buster Keaton Kurzfilmen, über Dokus, wilden experimentalen Kram und Bands, die Filme vertonen, bis hin zu VJs, die das Set eines DJ untermalen.

Während das Festival langsam, ganz langsam über den Tag an Fahrt aufnimmt und ich mich allmählich vom Meer in diese relaxte Parallelwelt begebe, die Lichtjahre von Hollywoodglamour zu liegen scheint, beginnt auch der „Trubel“ beim Off/Short. Die Musik wird lauter, die Leute werden mehr. Aber überrannt wird niemand. Alles ist entspannt. Die Menschen ziehen von Zelt zu Zelt und schauen was hier und da passiert. Oft sind es auch die Filmemacher, die gucken was die Kollegen so treiben. Dieses Jahr, vom 21. – 23. September waren cellu l’art und backup als Thüringer Delegation anwesend und schauten sich die französischen Filme an, die meist keine Untertitel hatten. Aber wen stört das, wenn der Ozean so nah ist. Vor allem wurden thüringer Filme am Samstag im extra spendierten Zelt gezeigt. Die Partnerschaft zwischen Picardie und Thüringen macht’s möglich. Interessierte Zuschauer sahen verschiedene Filme, die wir ausgesucht hatten, und diverse Filme vom backup. Letztere hatten gleich die Regisseure im Gepäck, die von ihrer Arbeit erzählten.

Wem das Meer nicht zusagte oder auch die Filme, für den hatte Cayeux-sur-Mer auf der anderen Seite vom Festivalgelände ebenfalls viel zu bieten. Vor allem Impressionen, die an Zombie- und postapokalyptische Filme erinnerten. Die nach der Saison verlassen Wohnungen, der wieder ins Inland fliehenden Franzosen mit ihren verrammelten Fenstern und Türen waren einfach nur surreal. Es glich einem Wunder, dass irgendwann doch Menschen auf den Straßen waren und dass wir einen Supermarkt fanden (in dem tatsächlich Godard-Filme für nen Appel und n Ei verscherbelt wurden). Vielleicht hört sich dieser Bericht nicht nach einem Lob an, aber er ist es. Es ist das Lob eines total einzigartigen Filmfestivals.

Tolles Essen, tolle Filme, tolle Menschen, vor allem seltsame machten die ewige Hinfahrt und die Aussicht auf eine eben solange Rückfahrt vergessen. „Bad Toys II“ in dem Bad Boys mit einer wilden Mischung aus Spielzeug und Zeichentrick nachgestellt wurden war filmisch vielleicht mein Highlight. Aber nichts, wirklich nichts, kam an den VJ B@lout heran. Freitag stand er mit DJ Paintbox in einem vor Räucherstäbchenduft platzenden Zelt und am Samstag startete mit ihnen im Zirkuszelt eine große Party aus Bildern, Musik und tanzenden Leuten. Die seltsame Atmosphäre vom Off/Short fand für mich seinen Höhepunkt in diesem Videokünstler, der mit einer Chihuahua-Maske dastand, die statt normalen Augen riesige Fliegenaugen hatte. Vollendet wurde sie durch Handschuhe auf dem Kopf, die wohl Fühler sein sollten. Überall anders wäre das skurril gewesen, beim Off/Short war es nur wunderbar und so unendlich passend.

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